Demenz und Depression im Alter – weit verbreitet, wenig erkannt

Die Landesgesundheitskonferenz Berlin hat sich 2011 auf das gemeinsame Oberziel „Selbständigkeit und Lebensqualität im Alter erhalten“ verständigt. Teil dieses Zielprozesses ist es, „die gesellschaftliche Teilhabe psychisch kranker, älterer Menschen und ihrer Angehörigen zu fördern und adäquate Versorgungsstrukturen weiter zu entwickeln“.

 

In der Umsetzungsstrategie soll speziell die Teilhabe von an Demenz erkrankten älteren Menschen berücksichtigt werden, deren Autonomie besonders gefährdet ist. Dies ist der Fall, wenn familiäre oder soziale Netzwerke fehlen bzw. finanzielle Ressourcen nur in geringem Maße vorhanden sind. Ein Schwerpunkt der Umsetzungsstrategie liegt auf der Gesundheitsförderung pflegender Angehöriger, um sozialen und gesundheitlichen Benachteiligungen vorzubeugen. Dabei sollte besonders die Situation von demenziell erkrankten Migrantinnen und Migranten sowie ihren Angehörigen berücksichtigt werden.

Demenz...

Mit zunehmendem Alter steigt die Wahrscheinlichkeit, an einer Demenz zu erkranken. Zu den Risikofaktoren gehören neben somatischen Erkrankungen auch Armut und sozial bedingte Ungleichheit. Die Deutsche Alzheimer-Gesellschaft e.V. beschreibt, dass etwa sechs Prozent der über 60-Jährigen von einer Demenzerkrankung betroffen sind. Allein in Berlin sind rund 50.000 Personen von demenziellen Erkrankungen betroffen. Die Zahl der Erkrankten wird sich nach Angaben der Alzheimer-Gesellschaft bundesweit bis zum Jahr 2050 mehr als verdoppeln: von heute 1,4 Millionen auf drei Millionen. Kommunen, Pflege- und Versorgungseinrichtungen stehen vor der Herausforderung, sich mit der steigenden Zahl demenzerkrankter Menschen auseinanderzusetzen.

 

... und Depression

Depressionen gehören neben dementiellen Erkrankungen zu den häufigsten psychischen Störungen im höheren Lebensalter. Mit zunehmendem Alter steigt – insbesondere bei Männern – das Suizidrisiko drastisch an. Laut Statistischem Bundesamt wurden 45 Pro­zent der Suizide in 2013 von Menschen über 60 Jahren vorgenommen. Depression kann zudem ein Risikofaktor für weitere Erkrankungen sein, unter anderem wieder für Demenz. Zu häufig werden depressive Symptome als normale Begleiterscheinung von Alter oder Lebenskrisen verkannt und medikalisiert. Laut der Psychotherapeutenkammer Berlin nehmen etwa 65 Prozent der Menschen über 75 Jahren Psychopharmaka ein. Hingegen sind gerade mal ein Prozent der Patientinnen und Patienten, die sich in ambulanter psychothera­peutischer Behandlung befinden, älter als 60 Jahre.

 


Die Landesgesundheitskonferenz Berlin hat es sich zum Ziel gesetzt, die Teilhabe für ältere Menschen mit einer psychischen Erkrankung zu verbessern und die Gesundheitsförderung für pflegende Angehörige weiter zu entwickeln. Weitere Informationen finden Sie unter »Teilhabe für Ältere mit psychischer Erkrankung stärken und »Pflegende Angehörige entlasten.

 

Ansprechpartner

Stefan Weigand

Fachstelle für Prävention und Gesundheitsförderung im Land Berlin

Friedrichstraße 231

10969 Berlin

Tel.: 030 - 44 31 90 66

E-Mail: weigand(at)gesundheitbb.de