Psychosoziale Entwicklung im Kindergartenalter



» Allgemeines
» Gute Beispiele
» Empfehlungen

Bild: Lucie Kärcher / pixelio.de

Zwischen dem zweiten und sechsten Lebensjahr durchläuft ein Kind ganz unterschiedliche Phasen der psychosozialen Entwicklung. Von der Entdeckung des „Ichs“, über die Trotzphase bis hin zur Entwicklung von Empathie und der Fähigkeit mit Gleichaltrigen zusammen zu spielen. Damit sich das Kind in psychosozialer Hinsicht optimal entwickeln kann, benötigt es auch in dieser Lebensphase eine feste Bezugsperson. Insbesondere hinsichtlich der mitunter im Spannungsfeld stehenden kindlichen Bedürfnisse nach Bindung und Autonomie ist eine feste Bezugsperson, die angemessen darauf eingehen kann, essentiell. Mit zunehmendem Alter des Kindes steigt folglich der Anspruch an die Bezugsperson, die kindlichen Bedürfnisse wahrzunehmen und ihnen unter Berücksichtigung der eigenen selbst- und kontextbezogenen Kompetenzen zu entsprechen (vgl. Haug-Schnabel/ Bensel, 20051, S. 54ff). Das kann bei Eltern dazu führen, dass viele Fragen in Bezug auf die kindliche Entwicklung und die „richtige“ Erziehung aufkommen. Daher ist es für Eltern hilfreich, wenn sie die Möglichkeit zum Austausch mit anderen Eltern oder Fachkräften haben.

Weitere Herausforderungen hinsichtlich der psychosozialen Entwicklung ergeben sich zwischen dem zweiten und vierten Lebensjahr durch den Besuch einer Kindertagesstätte. Diese bietet vielen Kindern, ganz neue Erfahrungen zu sammeln. Hier lernt das Kind sich auf eine neue Bezugsperson einzustellen, mit Gleichaltrigen in Kontakt zu kommen und sich in einer neuen Umgebung zurechtzufinden. Um ein positives Selbstkonzept von sich zu entwickeln ist es für ein Kind in dieser Zeit besonders wichtig, Kontakt zu anderen Kindern zu haben, um sich im Spiel mit diesen ausprobieren zu können.

Damit der Übergang von der Familie in die KiTa ein Erfolgserlebnis für das Kind wird, muss dieser Übergang sehr sensibel gestaltet werden und sich an den Bedürfnissen des Kindes orientieren. Denn nur wenn das Kind sich sicher fühlt, hat es die Möglichkeit, sich wirklich auf die neue Bezugsperson einzulassen, die neue Umgebung zu erkunden und in das Spiel mit Gleichaltrigen zu finden. Da sich Familien auch für einen späteren KiTa-Besuch entscheiden können, ist es wichtig, dass es auch außerhalb der KiTas Angebote für Familien gibt, die einen Austausch der Eltern und ein gemeinsames Spiel der Kinder ermöglichen.

Mit Blick auf die Anforderungen an eine gesunde psychosoziale Entwicklung ergeben sich auf der Ebene der Eltern, der Kinder und der Fachkräfte Handlungsbedarfe. Diesen wird in den nachstehenden Beispielen begegnet.

Gute Beispiele

Im Folgenden finden Sie Beispiele, wie die psychosoziale Entwicklung von Berliner Kindern im Kindergartenalter unterstützt und gefördert werden kann.

„Berliner Eingewöhnungsmodell“

Ausgehend von der Erkenntnis, dass der Übergang von der Familie in die KiTa besser gelingt, wenn das Kind bei der Eingewöhnung von seinen Eltern begleitet wird, wurde das „Berliner Eingewöhnungsmodell“ von Laewen, Andrés und Hédervári (Laewen et al., 20033) entwickelt. Die Dauer der Eingewöhnung hängt vom Alter des Kindes ab und kann zwischen zwei und sechs Wochen variieren (Burat-Hiemer, 20064).  Als eine entscheidende Voraussetzung für eine erfolgreiche Eingewöhnung des Kindes wird die kontinuierliche Begleitung von Mutter/Vater und Kind durch eine Bezugserzieherin/einen Bezugserzieher angesehen (Burat-Hiemer, 20064). Die Eingewöhnung des Kindes entsprechend dem „Berliner Eingewöhnungsmodell“ in die KiTa erfolgt in verschiedenen Phasen und ist dann abgeschlossen, wenn das Kind eine Beziehung zur Erzieherin/zum Erzieher aufgebaut und diese als Bezugsperson angenommen hat. Durch das „Berliner Eingewöhnungsmodell“ können Kinder und Eltern langsam an die Trennung voneinander gewöhnt werden und sich an den neuen Lebensraum KiTa gewöhnen.

Das „Berliner Eingewöhnungsmodell“ ist auch Bestandteil des Berliner Bildungsprogramms, welches alle Berliner KiTas umsetzen.

Weitere Informationen zur praktischen Umsetzung des „Berliner Eingewöhnungsmodell" finden Sie hier.

Familientreffpunkt Kurmärkische Straße

Im Berliner Bezirk Tempelhof-Schöneberg hat unter anderen der Kinder- und Jugendgesundheitsdienst im Familientreffpunkt Kurmärkische Straße eine Sprechstunde eingerichtet. Eltern und Kindern steht damit ein niedrigschwelliger Zugang zu dieser Dienstleistung des Öffentlichen Gesundheitsdienstes zur Verfügung. Dadurch und durch weitere Angebote des Familientreffpunktes kann sowohl das Kind selbst als auch die Eltern in ihren Kompetenzen gestärkt werden.

Weitere Informationen zum Familientreffpunkt erhalten Sie hier.

Eltern-AG

Die Eltern-AG ist ein Programm, das insbesondere Familien in schwieriger sozialer Lage fördert. Dieses Good Practice-Angebot erreicht zu 95 Prozent Familien mit mehrfachen Belastungen, wie sie sich aus den Folgen von Langzeitarbeitslosigkeit, alleiniger Verantwortung für die Erziehung oder Migrationshintergrund ergeben können. Auch dieser Kurs stärkt Eltern in ihrer Kompetenz, die besondere Stärke des Angebotes liegt jedoch in seinem Empowerment-Konzept. Dadurch werden Eltern in ihrer Hilfe zur Selbsthilfe und im Aufbau sozialer Netzwerke unterstützt. Das Angebot wurde im Rahmen des Modellvorhabens „Gesund aufwachsen in Marzahn-Hellersdorf – Modellvorhaben Präventionskette“ auch in Berlin eingeführt.

Lesen Sie mehr unter www.eltern-ag.de.

Empfehlungen

  • Kinder- und Familienzentren sowie Familientreffpunkte sollten flächendeckend und nachhaltig, insbesondere in sozial benachteiligten Berliner Stadtteilen, mit ausreichend personellen Ressourcen bzw. unter Bündelung von bereichsübergreifenden Ressourcen aus- und aufgebaut werden.
  • Familienzentren und Familientreffpunkte sollten vor dem Hintergrund einer frühen Förderung, Angebote mit niedrigschwelliger Information, Beratung, Begleitung und (kurzfristiger) Entlastung sowie bedarfsgerechte und partizipative Eltern-Kind-Angebote ausbauen. Ferner sollte Raum für Austauschmöglichkeiten von Eltern mit anderen Eltern und/oder Fachkräften zur kindlichen Entwicklung und Erziehung geschaffen werden.
  • KiTa-Mitarbeiter/innen sollten hinsichtlich der kindlichen psychosozialen Entwicklung qualifiziert sein.