Wie können Menschen im hohen Alter optimal versorgt werden?

Thursday, 01. September 2016

Vor einem Jahr hat die Senatsverwaltung für Gesundheit und Soziales den Dialogprozess „80plus - Gesundheitliche und pflegerische Versorgung hochaltriger Menschen“ ins Leben gerufen. Jetzt hat Senator Mario Czaja die Ergebnisse vorgestellt. Lesen Sie hier den Rückblick auf die Abschlussveranstaltung.

Foto: Ernst Fesseler

Was sind die Herausforderungen in der Versorgung der ab 80-jährigen Menschen in Berlin?


Die Senatsverwaltung für Gesundheit und Soziales hat im März 2015 hierzu ein Diskussionspapier vorgelegt, das die Bedarfe an gesundheitlichen, präventiven und pflegerischen Leistungen für die wachsende Gruppe hochaltriger Menschen in sieben Handlungsfeldern – von der Gesundheitsförderung und Prävention über die stationäre Versorgung bis hin zur Aus-, Fort- und Weiterbildung der Fachkräfte – analysiert. Mittels des Papiers wurde ein intensiver fachübergreifender Diskurs in Form von Fragebogen-Erhebungen, Fachdialogen, einer Konferenz der Älteren und weiteren Formaten initiiert. Die Ziele, die in den Handlungsfeldern erarbeitet wurden, werden nun in einer Rahmenstrategie zusammengeführt. Zur Präsentation und Diskussion der mit Spannung erwarteten Arbeitsergebnisse versammelten sich am 12. Juli 2016 ca. 180 Entscheidungsträgerinnen und -träger sowie weitere Akteure der stationären und ambulanten Versorgung, der Bezirks- und Senatsverwaltung, aus der Beratung, von Verbänden und nicht zuletzt zahlreiche Seniorenvertreterinnen und -vertreter im Evangelischen Krankenhaus Königin Elisabeth Herzberge (KEH).

Zunächst begrüßte Dr. Johannes Feldmann als Hausherr die Gäste. Die demografischen Herausforderungen, die der Dialogprozess 80plus aufgreift, sind ihm auch aus dem Klinikalltag bekannt. So sei der Anteil an ab 80-jährigen Patientinnen und Patienten im KEH in den letzten Jahren auf mehr als 20 Prozent gestiegen – durchaus eine Herausforderung für eine hochspezialisierte Versorgung. Im Anschluss verwies Senator Mario Czaja, der den Dialogprozess initiiert hatte, auf die Potenziale des Alters, aber auch auf den mit steigendem Lebensalter wachsenden Pflegebedarf. Nach seiner Aussage ist jeder dritte Berliner ab 80 Jahren pflegebedürftig. Im Zuge des voranschreitenden demografischen Wandels seien deutliche Auswirkungen auf den Versorgungsbedarf feststellbar. Darauf müsse sich die Versorgungslandschaft nun einstellen. Grundsätzlich lobte Senator Czaja die Qualität der Versorgung in Berlin, benannte aber die Übergänge und Schnittstellen zwischen den einzelnen Versorgungseinrichtungen sowie die Orientierung im hochkomplexen Versorgungssystem als problematisch. Das von der Senatsverwaltung in 2015 vorgelegte 80plus-Diskussionspapier habe hier die drängendsten Fragen identifiziert und damit die Basis für einen breit angelegten Dialog mit Fachleuten der Verbände und Träger des Sozial- und Gesundheitswesens gelegt. Durch diesen interdisziplinären Diskurs sei es im vergangenen Jahr gelungen, neue Perspektiven und Lösungsansätze für eine verbesserte gesundheitliche und pflegerische Versorgung von hochaltrigen Menschen in Berlin zu entwickeln. Nun soll es laut Senator Czaja in die Phase der Umsetzung gehen.

Nach der Rede des Senators wurde ein eigens für die Veranstaltung produzierter Kurzfilm vorgeführt, der aus dem Material der arte-Dokumentationsreihe „Das Beste kommt noch!“ erstellt wurde. Der Film  gewährte Einblicke u. a. in das Leben einer 90-jährigen Tanztherapeutin, die durch diese Tätigkeit sowie ihre stetige Teilhabe am gesellschaftlichen Leben weiterhin geistig und körperlich sehr rege ist. Den anwesenden Regisseurinnen Ilona Kalmbach und Sabine Jainski war es wichtig aufzuzeigen, dass sich hochaltrige Menschen als gesund erleben können, solange Faktoren wie Selbstbestimmung, Teilhabe und Kontakt mit dem sozialen Umfeld gegeben sind. Einen weiteren Protagonist des Films zitierten sie mit der Aussage, „dass wir nicht über, sondern mit den Alten reden sollen. Denn sie wissen am besten, was gut für sie ist!“.

Nach dieser Einführung in die Thematik stellten die 80plus-Handlungsfeldsprecherinnen und -sprecher in kurzen Statements die Kernergebnisse der Fachdialoge vor. Im Anschluss an diese Vorstellung bot sich den Teilnehmenden die Möglichkeit, bei einem Gallery Walk in den Austausch mit den Handlungsfeldverantwortlichen zu treten. Dafür wurden den Teilnehmenden auf Postern die konkreten Ziele und Maßnahmen präsentiert, die von der Einführung eines Risikoscreenings in den Notaufnahmen der Krankenhäuser, über Maßnahmen zur Verbesserung der geriatrischen Kompetenz von Hausärztinnen und -ärzten bis zur Ausweitung der Angebote von Mobilitätshilfen reichten. Hierbei kamen die Teilnehmenden direkt mit den Handlungsfeldsprecherinnen und -sprechern ins Gespräch und konnten die Ziele an den Postern priorisieren.

Unter der Fragestellung „80plus-Rahmenstrategie – Wie geht es weiter?“ brachte Moderator Raiko Thal im zweiten Teil der Veranstaltung Expertinnen und Experten rund um den 80plus-Dialogprozess zu einer Diskussion zusammen. An der Runde beteiligten sich neben Senator Mario Czaja auch Dr. Sibyll Klotz (Bezirksstadträtin für Gesundheit, Soziales und Stadtentwicklung Tempelhof-Schöneberg), Ingeborg Simon (Landesseniorenbeirat Berlin), Werner Mall (AOK Nordost), Wolfgang Pütz (Kassenärztliche Vereinigung Berlin), Dr. Birgit Wolter (Institut für Gerontologische Forschung e.V.) und Rebecca Zeljar (Verband der Ersatzkassen Landesvertretung Berlin/Brandenburg). Besonders leidenschaftlich diskutiert wurde dabei der Ausbau der geriatrischen Kompetenz im ambulanten Sektor, die Bedeutung der pflegerischen Versorgung sowie die von einigen Teilnehmenden als notwendig angesehene Einbeziehung des Ressorts Stadtentwicklung in den 80plus-Prozess.

Im Zuge der Diskussion nutzte das Publikum sehr engagiert die Möglichkeit, Fragen und Anregungen an die Podiumsgäste einzubringen und drängte insbesondere darauf, die weithin begrüßten Ziele und Maßnahmen in der Praxis umzusetzen.

Am Ende der Veranstaltung bedankte sich Senator Mario Czaja mit einem Blumengruß bei allen Handlungsfeldsprecherinnen und -sprechern für ihr ehrenamtliches Engagement, ohne die dieser intensive Dialogprozess nicht möglich gewesen wäre.

 

Alle Ergebnisse des 80plus-Dialogprozesses inklusive der Rahmenstrategie finden Sie auf den Seiten der Senatsverwaltung für Gesundheit und Soziales unter www.berlin.de/sen/gessoz/80plus/


Autoren: Doreen Krause und Tony Braetschkus, Gesundheit Berlin-Brandenburg e. V.