„Die Gesundheit der Bevölkerung zu verbessern, ist auch ein zentrales Anliegen der Stadtplanung.“

Wednesday, 28. November 2018

Das Leben in einer Millionenstadt wie Berlin birgt Gesundheitsrisiken, die durch eine vorsorgende Stadtplanung gemindert werden können. Wie sich die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen dieser Herausforderung stellt und wie die Landesgesundheitskonferenz dabei unterstützen kann, darüber spricht Sören Bott im Interview mit der Fachstelle für Prävention und Gesundheitsförderung.

Foto: SenStadt

 

In der Landesgesundheitskonferenz Berlin wurden durch die Mitglieder konkrete Gesundheitsziele auf Landesebene entwickelt. Was sind aus Ihrer Sicht die Vorteile dieses Vorgehens und welche Perspektiven und Herausforderungen stellen sich dabei?

Die Landesgesundheitskonferenz strebt eine Verbesserung der gesundheitlichen Lebensbedingungen in Berlin an. Akteure aus dem Gesundheitswesen, Verwaltung und Politik verständigen sich hierzu auf konkrete Ziele und ein gemeinsames Vorgehen. Diese partizipative Verständigung halte ich für eine sehr sinnvolle und auch notwendige Voraussetzung gesundheitlicher Verbesserungen in Berlin. Unterschiedliche Interessen einer komplexen und arbeitsteiligen Gesellschaft können so formuliert und ein gemeinsames Vorgehen verhandelt werden.
Berlin wächst und verändert sich stark. Deshalb bedarf es einer entsprechenden Dynamik auch in der Landesgesundheitskonferenz. Andererseits benötigen strukturelle Herausforderungen auch einer konstanten Zusammenarbeit. Die Gesundheit armer Kinder – in Berlin wächst eines von drei Kindern in Armut auf – konnte trotz intensiver Bemühungen der letzten Jahre bisher nicht signifikant verbessert werden. Hier muss die Landesgesundheitskonferenz wirksame Antworten finden.

Was erhoffen Sie sich von der Zusammenarbeit mit den Partnerinnen und Partnern in der Landesgesundheitskonferenz für die eigenen Ziele und Aufgaben?

Die Gesundheit der Bevölkerung zu verbessern, ist auch ein zentrales Anliegen der Stadtplanung. Das Leben in einer Millionenstadt wie Berlin birgt Gesundheitsrisiken, die durch eine vorsorgende Stadtplanung gemindert werden können. So enthält das Baugesetzbuch schon im ersten Paragrafen den Auftrag, in Flächennutzungsplänen und Bebauungsplänen die allgemeinen Anforderungen an gesunde Wohn- und Arbeitsverhältnisse und die Sicherheit der Wohn- und Arbeitsbevölkerung zu berücksichtigen.
Diese allgemeinen Anforderungen werden von der Landesgesundheitskonferenz formuliert und sollen in die Bauleitpläne einfließen.

Welche Zielgruppen nehmen Sie bei der Gesundheitsförderung und Prävention besonders in den Fokus?

Generell soll die Gesundheit der Bevölkerung verbessert werden.
Gesundheitliche Risiken – Ausbreitung von Infektionserkrankungen, Belastung von Luft, Boden und Wasser aber auch der Lärm – sind sozialräumlich ungleich verteilt und belasten insbesondere ärmere Menschen.
Im Rahmen der Stadtentwicklung nutzen wir hierzu Städtebauförderprogramme wie die Soziale Stadt mit ihren Quartiersmanagementgebieten in Berlin, um dort Gesundheitsförderung zu fördern. Hier arbeiten wir auch bereits eng zusammen mit den Gesetzlichen Krankenkassen und werden auf Grundlage des Bundespräventionsgesetzes und der Landesrahmenvereinbarung in Berlin unsere Maßnahmen noch stärker miteinander bündeln.