Zahnmedizinische Prävention und Versorgung bei älteren Menschen stärken – LGK beschließt Mundgesundheitsziele

Tuesday, 22. May 2018

2016 hat die Landesgesundheitskonferenz (LGK) die Erweiterung des Gesundheitsziels „Gesund altern“ um das Handlungsfeld „Mundgesundheit im Alter“ beschlossen. Mit Akteurinnen und Akteuren aus der Seniorenpolitik, Pflege und Mundgesundheit wurde dazu am 21.06.2017 ein Fachgespräch durchgeführt. Auf Grundlage der Ergebnisse des Fachgesprächs wurde eine Zielematrix zu diesem Handlungsfeld erarbeitet und von der Leitungsrunde der LGK Ende 2017 beschlossen.

Warum Mundgesundheit im Alter?

Eine gute Mundgesundheit ist auch im hohen Alter die Basis für Gesundheit und Lebensqualität. Jedoch wird dem The¬ma Mundgesundheit im Alter in der Bevölkerung allgemein und auch in den Pflegeeinrichtungen im Speziellen noch zu wenig Bedeutung beigemessen. Die Ursachen hierfür sind häufig Scham bei älteren Menschen und auch deren Angehörigen aber auch Berührungsängste aufseiten des Pflegepersonals. Auch empirisch wird deutlich, dass Zahnhygiene zu wenig ernst genommen wird: so hat die zahnärztliche Inanspruchnahme bei älteren Berlinerinnen und Berlinern ab 50 Jahren zwischen 2012 und 2016 um ca. 10 Prozentpunkte abgenommen.  

Die Mundgesundheit der älteren Menschen in Berlin zu erhalten und zu verbessern ist eine komplexe Herausforderung. Mehrere Faktoren spielen hier eine Rolle:

  • Viele ältere Menschen mit gesundheitlichen Einschränkungen sind nicht in der Lage, ihre Zähne eigenständig zu reinigen.
  • In Pflegeeinrichtungen erfolgt oftmals kein regelmäßiger Zahnarztbesuch und die Mund- und Prothesenpflege ist nicht ausreichend.
  • Ältere Menschen mit Pflegebedarf haben eine höhere Karieserfahrung, weniger eigene Zähne und häufiger herausnehmbaren Zahnersatz als die Älteren ohne Pflegebedarf. 60 Prozent der Menschen mit Pflegebedarf sind nicht mehr in der Lage einen Zahnarztbesuch zu organisieren und dann die Praxis auch aufzusuchen.

Daher ist es zu begrüßen, dass das Thema durch die LGK aufgegriffen und damit politisch gestärkt wird. Gerade für Zielgruppen, die die Mundhygiene nicht mehr eigenständig durchführen können oder die eine Zahnarztpraxis nicht mehr aufsuchen können, braucht es alternative Lösungen. Auch demenziell erkrankte ältere Männer und Frauen stellen eine besondere Risikogruppe dar, da die Alltagsfähigkeiten und somit die Fähigkeiten zum eigenständigen Zähneputzen mit fortschreitender Erkrankung immer weiter abnehmen.

Gesundheitsziel Mundgesundheit konkret

Die Handlungsbedarfe, die im Fachgespräch benannt wurden, wurden nun als Gesundheitsziele ausbuchstabiert. Die Übersicht über das LGK-Gesundheitsziel „Mundgesundheit im Alter“ finden Sie hier, das komplette Ziele-Papier des LGK-Gesundheitsziels „Gesund altern“ hier.  
Folgende Teilziele wurden entwickelt:

  • Der Mundgesundheitszustand von älteren Menschen mit Pflegebedarf ist erhalten und nachhaltig verbessert.
  • Mundgesundheits-Kompetenzen bei Multiplikatorinnen und Multiplikatoren, älteren Menschen und deren Angehörigen sowie des Personals in der Pflege und der ambulanten medizinischen Versorgung sind ausgebaut. In diesem Rahmen ist auch der enge Zusammenhang von Mundgesundheit und systemischen Erkrankungen verstärkt bekannt gemacht.
  • Die Vernetzung und der fachliche Austausch der verschiedenen Versorgungs-Akteurinnen und -Akteure im Handlungsfeld Mundgesundheit im Alter ist verbessert.


Um die Umsetzung der Ziele in die Praxis zu befördern, wurden jeweils adäquate Maßnahmen entwickelt und relevante Akteurinnen und Akteure benannt. Beispielhafte Maßnahmen sind etwa die Integration des Themas Mundgesundheit in bestehende Angebote für pflegende Angehörige, oder die Stärkung mundgesundheitsbezogener Praxisphasen in der Ausbildung des Pflegepersonals. Zudem wird angestrebt, die Quote der abgeschlossenen Kooperationsverträge zwischen Zahnärztinnen und -ärzten sowie stationären Pflegeeinrichtungen weiter zu erhöhen. Um die Zielgruppe der Älteren mit teilstationärem Pflegebedarf zu erreichen, sollen auch die Träger von Tagespflege-Angeboten für das Abschließen von Kooperationsverträgen sensibilisiert werden. Um die zahnärztliche Inanspruchnahme von Menschen mit ambulantem Pflegebedarf zu befördern, sollen die Pflegedienste außerdem über Möglichkeiten des aufsuchenden  Zahnarztbesuches informiert werden.

Die Mundgesundheit der älteren Berlinerinnen und Berliner wird sich nicht durch eine einzelne Maßnahme, sondern nur durch die gemeinsame Anstrengung der LGK-Mitglieder und weiterer Akteurinnen und Akteure verbessern lassen. Eine Bilanz zum Stand der Zielerreichung im Handlungsfeld soll zum Ablauf der Legislaturperiode im Jahr 2021 gezogen werden.

Stefan Weigand, Fachstelle für Prävention und Gesundheitsförderung