Wachsende Stadt – Gesunde Stadt: Arbeitswelt im Wandel

Monday, 14. December 2020

So war die 17. Landesgesundheitskonferenz 2020

Bild: Benjamin Felis

Das Jahr 2020 stellt uns alle vor (kreative) Herausforderungen. Um den bestmöglichen gesundheitlichen Schutz der Referierenden und der Teilnehmenden im Hinblick auf das Pandemiegeschehen zu gewährleisten, wurde die Entscheidung gefällt, die 17. Landesgesundheitskonferenz am 23. November 2020 zum ersten Mal digital stattfinden zu lassen. An ihrem lebendigen und partizipativen Charakter änderte auch der Wechsel in den digitalen Raum nichts. Der diesjährige Schwerpunkt stellte die Berliner Beschäftigten in den Vordergrund und warf somit die Frage nach optimalen Ansätzen für Gesundheitsförderung und -schutz bei Erwerbstätigen auf.

Homeoffice bringt sowohl Entlastung als auch Risiken

Der Staatssekretär für Gesundheit Martin Matz empfing die Teilnehmenden mit einer Grußbotschaft. Die Gesundheit der Beschäftigten ist das Ergebnis eines komplexen Zusammenhangs zwischen Wohlbefinden und Arbeitsbedingungen. Er verwies wiederholt auf die Bedeutung der Gesundheit der Beschäftigten, sowohl auf der individuellen Ebene als auch für die Wirtschaft und die Gesellschaft im Allgemeinen. Somit ist es von großer Bedeutung, dass auf allen Ebenen die Gesundheit der Erwerbstätigen ins Visier genommen wird. Volker Röttsches stellte die Ergebnisse der Studie der DAK Gesundheit zum Thema Digitalisierung und Homeoffice vor. Es zeigte sich, dass Homeoffice zwar teilweise als Entlastung wahrgenommen wird, jedoch diverse Risiken mit sich bringt - ob es nun die unzureichende Trennung zwischen Job und Freizeit oder die häufig mangelhafte ergonomische Einrichtung des Arbeitsplatzes bzw. Mangel an einem gesonderten Arbeitsplatz zuhause allgemein sei. Es ist wichtig, dass die Maßnahmen des Betrieblichen Gesundheitsmanagements auf die Begebenheiten der Heimarbeit angepasst und weiterentwickelt werden. Zugleich sollte eine Balance zwischen Präsenzarbeit und Homeoffice im Sinne der Beschäftigten hergestellt werden, um die Vorteile von Homeoffice optimal zu nutzen und zugleich die gesundheitlichen Risiken zu minimieren.

Den Wandel der Arbeitswelt im Sinne der Gesundheit gestalten

Die Problemlagen und Herausforderungen für eine gesunde Arbeitswelt sind divers. In vier Foren konnten die Teilnehmenden anschließend verschiedene Aspekte der Arbeitswelt unter die Lupe nehmen und diskutieren. Von Maßnahmen des Betrieblichen Gesundheitsmanagements und der Betrieblichen Gesundheitsförderung im Allgemeinen sowie für spezifische Zielgruppen, wie Beschäftigte im Gesundheitswesen, über psychische Belastungen, die sich durch die Covid-19-Pandemie ergeben haben, bis hin zu Fragen der Diskriminierung in der Arbeitswelt: Die Gesundheit und das Wohlbefinden der Beschäftigten in Berlin kann an verschiedensten Stellen verbessert werden. Es zeigte sich zugleich der Bedarf an größeren strukturellen Umdenkprozessen, sowohl auf der Ebene der Führungskräfte und der Beschäftigten als auch seitens der politischen Entscheidungsträger.

Diese kamen bei der finalen Podiumsdiskussion zu Wort, ergänzt um die Perspektiven aus der Wissenschaft, Wirtschaft und der gewerkschaftlichen Seite als Vertretung der Beschäftigten. Unter allen Gästen bestand Einigkeit darüber, dass die Beschäftigten auch abseits der Pandemie häufig mit vielfältigen psychischen und physischen Belastungen in einer sich ständig verändernden Arbeitswelt konfrontiert werden. Nicht nur die Aspekte des Betrieblichen Gesundheitsmanagements sollen verstärkt und flächendeckend durchgesetzt werden. Auch eine größere Rechtssicherheit für die Beschäftigten in neueren Arbeitsformen wie Homeoffice oder hybridem Arbeiten muss hergestellt werden. Zudem müssen die besonders belasteten Gruppen der Beschäftigten, wie Angehörige der kritischen Infrastruktur, die nicht auf mobiles Arbeiten ausweichen können, in den Fokus genommen werden. Grundsätzlich sollte der Wandel in der Arbeitswelt im Sinne der Gesundheit der Beschäftigten gestaltet werden und die Herausforderungen des digitalisierten und flexibilisierten Arbeitens, des Fachkräftemangels sowie der pandemiebedingten Veränderungen seitens der Politik und anderer Akteurinnen und Akteure aufgefangen werden. Gesundheit am Arbeitsplatz muss ein übergeordnetes Thema in der Politik und der Gesellschaft bleiben und das Berliner Gesundheitsziel „Gesundes Arbeiten in Berlin stärken“ soll weiterentwickelt werden.

Alexandra Gelbstein, Fachstelle für Prävention und Gesundheitsförderung im Land Berlin