Pflegende Angehörige entlasten

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Die meisten Demenzkranken leben in privaten Haushalten und werden in der Regel von Angehörigen ehrenamtlich gepflegt. Diese Angehörigen bringen viel Engagement ein und müssen häufig auf weite Teile ihrer Freizeit verzichten. 40 bis 50 Prozent der pflegenden Angehörigen im erwerbsfähigen Alter sind trotz dieser Belas­tung weiterhin berufstätig. Pflegende Angehörige stehen angesichts dieser Rahmenbedingungen häufig unter hohem psychischen und physischen Druck. Rund die Hälfte der Angehörigen leidet unter chronischen Erkrankungen. Besonders belastend kann es für die Angehörigen sein, wenn bei Menschen mit Demenz oder Depression problematische Verhaltensweisen bzw. Gefühlzustände wie Aggressivität und anhaltende Verzweiflung hinzukommen.

Mit dem 2013 in Kraft getretenen Pflege-Neuausrichtungs-Gesetz (PNG) hat die Bundesregierung auf den demo­grafischen Wandel und die damit verbundenen Herausforderungen an die Pflege reagiert. Mit diesem Familienpflegegesetz sollen die pflegenden Angehörigen entlastet werden, die berufstätig sind und zu Hause Angehöri­ge betreuen. Wer in Vollzeit arbeitet, kann seine Stelle für zwei Jahre auf 50 Prozent redu­zieren. Die durchschnittliche Pflegezeit liegt jedoch laut Expertinnen und Experten bei sechs bis neun Jahren. Die von der Bundesregierung initiierte „Allianz für Menschen mit Demenz (PDF)“ hat u.a. als Ziele ausgegeben, die Möglichkeiten des Pflegezeit- und Familienpflegezeitgesetzes unter einem Dach mit Rechtsanspruch weiter zu entwickeln, sowie niedrigschwellige Betreuungsangebote auszubauen. Bund, Länder, Kommunen und die Pflegeversicherungen sollen über die zusätzlichen Betreuungsleistungen informieren und die Inanspruchnahme der Leistungen verbessern. Zudem soll das von der Kassenärztlichen Bundesvereinigung entwickelte Check-Up-Konzept für pflegende Angehörige verbreitet werden.

Die Landesgesundheitskonferenz Berlin hat einen Schwerpunkt des Gesundheitszielprozesses (PDF) für Ältere auf die Gesundheitsförderung pflegender Angehöriger gelegt, um sozialen (z.B. berufliche Situation, Freizeitmöglichkeit, soziale Kontakte) und gesundheitlichen Benachteiligungen vorzubeugen. Dabei sollte besonders die Situation von Migrantinnen und Migranten mit Demenz und ihren Angehörigen berücksichtigt werden. Bei Migrantinnen und Migranten treten laut Dr. Meryam Schouler-Ocak (PDF) psychische Erkrankungen wie Demenz durchschnittlich fünf bis zehn Jahre früher auf. Zudem sei die diag­nostische Abklärung aufgrund von Kommunikationsschwierigkeiten erschwert. Die Landesgesundheitskonferenz hat sich daher zum Ziel gesetzt, die Öffentlichkeit besser über das Krankheitsbild Demenz aufzuklären sowie pflegenden Angehörigen ein breiter aufgestelltes Hilfsangebot in den Bezirken zur Verfügung zu stellen.

Einen Einblick in Berliner Projekte, die Angehörige unterstützen und entlasten, erhalten Sie »hier.

Ansprechpartner

Stefan Weigand

Fachstelle für Prävention und Gesundheitsförderung im Land Berlin

Friedrichstraße 231

10969 Berlin

Tel.: 030 - 44 31 90 66

E-Mail: weigand(at)gesundheitbb.de